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Personal-Tipp

 

Arbeitsmodelle für Studenten im Unternehmen

Für immer mehr Betriebe werden Studenten zur wichtigen Säule in der Belegschaft: Sie sind zeitlich flexibler und – dank bestimmter Versicherungs- und Beschäftigungsprivilegien – meist kostengünstiger als andere Arbeitnehmer. Sie arbeiten als Minijobber, Werkstudenten oder Praktikanten. Wir haben für Sie Wissenswertes zu den unterschiedlichen Arbeitsmodellen zusammengestellt.

Minijobber
 

Die „geringfügige Beschäftigung“ ist für Studenten die wohl häufigste Beschäftigungs-Form. Als Minijobber gilt, wer monatlich maximal 450 Euro brutto verdient. Beim aktuellen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde kann man circa 13 Stunden pro Woche arbeiten, um noch als geringfügig beschäftigt zu gelten.
 
Minijobs haben für Arbeitgeber attraktive Vorteile, erklärt Steuerexperte Tobias Gerauer von der Lohnsteuerhilfe. So fallen zum Beispiel keine Abgaben für Pflege- und Arbeitslosenversicherung an. Im Regalfall werden für Minijobber Rentenversicherungsbeiträge fällig, von denen sie aber auf Antrag beim Arbeitgeber befreit werden können. Das ist für den Arbeitnehmer praktisch – für das Unternehmen ändert sich jedoch nichts: Es zahlt den Arbeitergeber-Anteil in jedem Fall.

Midijobber
 

Weniger bekannt sind die Regelungen für den Midijob, das heißt für Einkommen zwischen 450,01 bis 850 Euro im Monat. Hier fallen Sozialabgaben und gegebenenfalls Einkommensteuer an. Damit den Midijobber und den Arbeitgeber nicht die volle finanzielle Belastung trifft, werden die Sozialabgaben je nach Höhe des Einkommens gestaffelt. Erst wenn man über 850 Euro kommt, zahlen beide die vollen Beiträge.

Werksstudenten
 

Die günstigste Variante für Arbeitnehmer und -geber ist der Werksstudentenjob. Für Studenten gilt in bestimmten Fällen (keine Langzeit- und Promotionsstudenten) das „Werksstudentenprivileg“. Es besagt, dass von allen Sozialabgaben außer der Rentenversicherung befreit ist, wer nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitet. Arbeitgeber sollten darauf achten, dass dieses Maximum auch schriftlich im Arbeitsvertrag festgehalten ist. In den Semesterferien dürfen Werksstudenten übrigens etwas mehr arbeiten (bis zu 26 Stunden pro Woche).
 
„Unterm Strich ist eine Werksstudententätigkeit für junge Akademiker also wesentlich rentabler als ein Midijob“, empfiehlt Gerauer. „Arbeitnehmer und -geber sollten aber unbedingt auf die 20-Stunden-Regelung achten.“

Praktikanten
 

Praktikant ist nicht gleich Praktikant:  Aus arbeitsrechtlicher und steuerlicher Sicht ist der wichtigste Unterschied der zwischen freiwilligen und von der Hochschule vorgeschriebenen Praktika.

Freiwillige Praktika fallen gemäß §§ 26, 10 Berufsbildungsgesetz unter das Arbeitsrecht. Praktikanten werden hier wie Auszubildende behandelt. Dieses gesetzliche Arbeitsverhältnis hat für Studenten viele Vorteile: Sie haben Anspruch auf Vergütung, Urlaub und Entgeltfortzahlung bei Krankheit. Seit Jahresbeginn 2015 haben freiwillige Praktikanten Anspruch auf den Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde, wenn das Praktikum länger als drei Monate dauert.

„Ein Nachteil des freiwilligen Praktikums sind Sozialversicherungsbeiträge, die fällig werden, sobald der Student monatlich mehr als 450 Euro im Monat verdient. Hier gelten dieselben Regelungen wie für Mini- und Midijobber “, sagt Lohnsteuerhilfe-Experte Gerauer.

Pflichtpraktika hingegen sind ein fester Teil eines Studiums und gelten somit nicht als Ausbildung. Arbeitsrechtlich sind Pflichtpraktikanten im Vergleich zu freiwilligen Praktikanten schlechter gestellt: Sie genießen keinen Schutz durch das Arbeitsrecht, haben also keinen Anspruch auf Urlaub oder Entgeltfortzahlung bei Krankheit. Auch der Mindestlohn gilt für sie nicht. Rein rechtlich haben sie sogar keinerlei Anspruch auf Bezahlung – selbst bei halbjährigen Vollzeitpraktika. Ein weiterer Vorteil für das Unternehmen: Für Pflichtpraktikanten muss der Arbeitgeber noch nicht einmal Sozialabgaben entrichten, da der Praktikant als Student versichert bleibt. Im Sinn der Fairness sollten Arbeitnehmer sich allerdings Gedanken zur gerechten Bezahlung und zu Urlaubstagen für beide Praktikantengruppen machen.

Urlaubsanspruch
 

Ob Mini- oder Midijobber oder Werksstudent: Alle Arbeitnehmer (also ausgenommen Pflichtpraktikanten, die ja keine Arbeitnehmer sind) haben Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub: „Der Urlaub beträgt jährlich mindestens 24 Werktage“, steht in § 3 Bundesurlaubsgesetz. Als Werktage gelten dabei alle Kalendertage, die nicht Sonn- oder gesetzliche Feiertage sind.
 
Arbeitet jemand weniger als sechs Tage pro Woche, gilt der Urlaubsanspruch nur anteilig: Angenommen, ein Werkstudent ist drei Tage pro Woche im Büro, dann gilt: 24 Urlaubstage geteilt durch 6 Wochentage mal 3 Tage = 12 Tage Urlaubsanspruch pro Jahr.

 


Text: Timm Rotter; Foto ganz oben: fotolia/cristovao31
Stand aller Zahlen: 10. Oktober 2015